Wohin wir wollen

Das Projekt, das wir vorstellen möchten, ist kein klassischer Sammelband. Kultur im VerhältnisAndere Zustände denken ist eine kollektive Arbeit, an der mehrere Teams von Autor*innen schreiben. Die Vielfalt von Stimmen und Stilen eint ein gemeinsames Vorhaben: die innerhalb der Linken wenig oder anders gebrauchten Begriffe des „Kulturellen“ und des „Individuellen“ für ein emanzipatorisches und egalitäres Denken und Handeln neu zu verwenden.

Dabei grenzen wir uns ab von einem Kulturalismus, der Kultur als Eigenschaft von Gruppen naturalisiert, ebenso wie von jenem Individualismus, der das Besondere als Ressource eines „kulturellen Kapitalismus“ nutzt. In der neoliberal geprägten Spätmoderne werden kulturelle ebenso wie individuelle Differenzen hierarchisch organisiert. Durch diese Hierarchien werden die kulturellen Differenzen einer Norm als „das Andere“ unterworfen; die individuellen Differenzen hingegen werden anfällig für den Zwang zu Anpassung, Optimierung und Ausbeutung.

Dem setzen wir ein Verständnis von Individualität entgegen, das nicht Selbstverwirklichung durch Vereinzelung und Geschlossenheit meint, sondern gelebte Erfahrung im anspruchsvoll inklusiven Sinn: als achtsames Miteinander. Diese gelebte Erfahrung ist Voraussetzung und Errungenschaft gemeinschaftlicher politischer Praxis.

Wir nähern uns dieser Praxis mit kulturphilosophischen Ansätzen, weil es ihnen um Formen des Lebens, Denkens und Handelns geht, nicht um abstrakte Verhältnisse. Die Realität dieser Formen bleibt dabei immer eine soziale und materielle. Doch was für die Individuen Sinn und Bedeutung hat, das artikuliert sich im Rahmen kultureller Prozesse.

Kulturelle Formen prägen die Imagination und gestalten, was wir uns vorstellen können, was wir uns wünschen und was wir fürchten. Darum besteht unser Buch aus drei Teilen:

zuerst der Analyse, wo wir uns positionieren und mithilfe welcher Begriffe und Konzepte wir unsere Themen erschließen;

zweitens der Frage, wie wir uns der Zumutungen des Kapitalismus und der Gefahren der politischen Rechten erwehren können und wie wir uns dabei organisieren;

schließlich dem Entwurf, individuelle Freiheit und ein gelingendes Zusammenleben zu denken.